Zu Besuch im ältesten russischen Restaurant in der chinesischen Hauptstadt Peking. Zwei Russinnen in traditionellen Gewändern spielen auf. Der Raum sieht aus wie ein Salon im Zarenreich: opulente Kronleuchter, schwere rot-goldene Vorhänge, große Bilder in Goldrahmen an den Wänden. Seit mehr als 60 Jahren gibt es das Restaurant Moskau. Besitzer ist allerdings das staatliche chinesische Tourismusbüro. Und auch die Gäste hier: ausschließlich Chinesen, die sich an russischem Essen oder russischer Stimmung erfreuen.
Unter ihnen eine Gruppe junger Filmstudenten. Einer von ihnen erzählt, die Beziehung zwischen China und Russland würde immer besser werden. Die beiden Staatschefs Xi Jinping und Wladimir Putin würden bei ihren regelmäßigen Treffen nicht nur politische Fragen diskutieren. Er erinnere sich auch an Szenen aus den Nachrichten, als beide zusammen kochten und Ideen über Essen und Kultur der beiden Länder miteinander teilten. Als er das sah, wollte er auch russisches Essen probieren, so der Student.
Zwei, die voneinander profitieren
Russland – das ist für viele Chinesinnen und Chinesen längst ein wichtiger Partner. Vorgelebt wird das von den beiden Staatschefs. Die Beziehung zwischen Xi und Putin trägt seit mehr als vier Jahren das Label „grenzenlose Freundschaft“. Verkündet wenige Wochen, bevor Russland die Ukraine überfiel. Eine Invasion, die China bis heute nicht verurteilt hat.
Die beiden Seiten sind seither noch enger zusammengewachsen, gerade wirtschaftlich. China kauft große Mengen an Öl und Gas, die Russland nicht mehr an den Westen liefern kann. Und das zu stark vergünstigten Preisen. Dazu liefert China vieles, was Russland durch die Sanktionen des Westens aktuell nur schwer bekommt: Autos, Maschinen, Elektronik, Computerchips.
„Die russische Wirtschaft, die so sehr unter Druck ist gegenüber dem Westen, profitiert enorm davon“, sagt Bernhard Bartsch von der Forschungseinrichtung Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin. Gerade sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl zivil als auch militärisch wichtig sind, beziehe Russland in den vergangenen Jahren zunehmend von China.
Peking betont zwar immer wieder, es liefere keine Waffen an Russland, nur zivile Produkte. In der Praxis verschwimmen die Grenzen: Ein Chip, der in einem Laptop steckt, kann auch in einer Drohne verbaut werden.
„China möchte nicht, dass Russland als Verlierer aus Ukraine-Krieg hervorgeht“
Der Ukraine-Krieg wird Thema sein zwischen Xi und Putin. Auf Schützenhilfe aus Peking bräuchten die Ukraine und der Westen aber nicht zu hoffen, so Bartsch vom MERICS: „China möchte nicht, dass Russland als Verlierer aus diesem Krieg hervorgeht. Insofern habe ich keinerlei Erwartung, dass China irgendwie seine Unterstützung für Russland zurückfährt oder das groß zu einem Thema machen wird.“
Aus Peking heißt es vor dem Treffen, die Zusammenarbeit zwischen China und Russland solle weiter ausgebaut werden. Guo Jiakun, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, erklärte, beide Seiten würden dies als Gelegenheit nutzen, die chinesisch-russischen Beziehungen kontinuierlich auf eine tiefere Ebene und auf ein höheres Niveau zu heben.
Viel Pomp wohl nicht nötig
Der Besuch von US-Präsident Donald Trump wird ebenfalls Thema zwischen Xi und dem russischen Staatschef sein. Beobachter sind sich sicher: Putin wird deutlich weniger Pomp bekommen als Trump. Doch für Bartsch sagt das wenig aus.
Putin hat von China in der Vergangenheit viel größere Vertrauensbeweise bekommen. Beide haben wechselseitig an ihren großen Paraden im letzten Jahr teilgenommen. Im Vergleich dazu sind ein paar Blumenkinder, die Trump jetzt bekommen hat, eigentlich relativ billiges Fernsehen. Wo, so würde ich es mir vorstellen, Putin und Xi ein bisschen belustigt darüber sein werden, dass man Trump mit solchen einfachen Tricks eingefangen bekommt.
China hat geopolitisch vor allem ein langfristiges Ziel: Die bisher von den USA dominierte Weltordnung ein Stück weit neu zu ordnen. Russland ist auf diesem Weg als wichtiger Partner vorgesehen.
Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen beiden Ländern hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Nach Angaben chinesischer Zollbehörden stieg das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2025 auf über 250 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Russland liefert dabei nicht nur Öl und Gas, sondern auch Kohle, landwirtschaftliche Produkte und Düngemittel. China wiederum exportiert zunehmend High-Tech-Güter, die für Russlands militärisch-industriellen Komplex von Bedeutung sind. Kritiker weisen darauf hin, dass viele dieser Exporte unter die Sanktionsregeln der Europäischen Union und der USA fallen könnten, Peking jedoch eine klare Unterscheidung zwischen ziviler und militärischer Nutzung ablehnt.
Vor dem Hintergrund der verschärften Sanktionen des Westens nach dem Ukraine-Krieg hat Russland seine wirtschaftliche Abhängigkeit von China weiter ausgebaut. Der Bau der neuen Gaspipeline „Power of Siberia 2“ wird derzeit verhandelt und könnte die russischen Energielieferungen nach China noch einmal verdoppeln. Gleichzeitig investiert China in russische Infrastrukturprojekte, insbesondere in den Bereichen Transport und Logistik, um die Handelswege zwischen beiden Ländern zu optimieren. Experten erwarten, dass dieser Trend anhalten wird, solange der Konflikt in der Ukraine andauert und die westlichen Sanktionen bestehen bleiben.
Die symbolische Bedeutung des Treffens zwischen Xi und Putin ist nicht zu unterschätzen. Beide Staatschefs zeigen sich öffentlich als enge Freunde und Verbündete, was ein klares Signal an Washington und die übrige westliche Staatenwelt sendet: China und Russland stehen fest zusammen und lassen sich nicht auseinanderdividieren. Analysten sehen darin den Versuch, eine multipolare Weltordnung zu etablieren, in der die USA nicht mehr den alleinigen Ton angeben. Die Beziehungen zwischen Peking und Moskau sind dabei nicht nur eine Zweckgemeinschaft, sondern beruhen auf einem tiefen gegenseitigen Vertrauen, das sich über Jahre hinweg entwickelt hat. Putins Besuch in Peking bestätigt diese strategische Partnerschaft und unterstreicht die gemeinsamen Interessen beider Länder in einer zunehmend konfrontativen globalen Arena.
Source: tagesschau.de News