Bip Milwaukee Local News

collapse
Home / Daily News Analysis / Automatischer Atomschlag bei Tötung von Kim Jong-un: Nordkorea soll Verfassung geändert haben

Automatischer Atomschlag bei Tötung von Kim Jong-un: Nordkorea soll Verfassung geändert haben

May 17, 2026  Twila Rosenbaum  8 views
Automatischer Atomschlag bei Tötung von Kim Jong-un: Nordkorea soll Verfassung geändert haben

Nordkorea hat einem Bericht der britischen Tageszeitung The Telegraph zufolge seine Atomwaffendoktrin verschärft. Demnach sieht eine Verfassungsänderung vor, dass das Militär einen nuklearen Vergeltungsschlag ausführen muss, falls Staatschef Kim Jong-un durch einen ausländischen Angriff getötet wird.

Die Änderung sei bereits auf der ersten Sitzung der 15. Obersten Volksversammlung am 22. März in Pjöngjang beschlossen worden, berichtete das Blatt nun unter Berufung auf eine kürzliche Unterrichtung des südkoreanischen Geheimdienstes NIS. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Informationen derzeit nicht.

Nach Angaben des Telegraph lautet der überarbeitete Artikel 3 des Atomwaffengesetzes sinngemäß: Werde das Führungs- und Kontrollsystem über die nuklearen Streitkräfte durch Angriffe feindlicher Kräfte gefährdet, solle „automatisch und unverzüglich“ ein Atomschlag erfolgen. Die Befehlsgewalt über das Arsenal liege weiterhin bei Kim, hieß es in der Unterrichtung. Die Verfahren für den Fall seiner Handlungsunfähigkeit oder Tötung würden nun jedoch festgeschrieben.

Iran-Krieg als möglicher Auslöser

Als Anlass für die Änderung gilt nach Einschätzung von Beobachtern die Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei sowie enger Berater bei den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Andrei Lankov, Professor an der Kookmin-Universität in Seoul, sagte dem Telegraph, der Iran-Krieg sei ein „Weckruf“ gewesen. Pjöngjang habe die Wirksamkeit der gezielten Angriffe gegen die iranische Führung beobachtet. Eine vergleichbare Operation gegen Kim sei jedoch deutlich schwieriger, da Nordkoreas Grenzen weitgehend abgeriegelt seien.

Der Iran-Krieg begann Anfang 2026, nachdem es zu eskalierenden Spannungen zwischen Teheran und Washington gekommen war. Die USA und Israel führten koordinierte Luftangriffe auf iranische Atomanlagen und Kommandozentren durch, bei denen auch Chamenei und mehrere hochrangige Kommandeure getötet wurden. Diese Entwicklung alarmierte Nordkorea, das selbst eine enge militärische und wirtschaftliche Kooperation mit dem Iran unterhält. Die nordkoreanische Führung fürchtet nun, dass ähnliche Enthauptungsschläge auch gegen Pjöngjang geplant werden könnten.

Verschärfter Kurs gegenüber Südkorea

Die Nachrichtenagentur AP berichtete Ende März unter Berufung auf nordkoreanische Staatsmedien, Kim habe vor dem Parlament zugesagt, den Status seines Landes als Atommacht „unumkehrbar“ zu festigen. Südkorea bezeichnete er als „feindlichsten“ Staat. Den USA warf er „staatlichen Terrorismus und Aggression“ vor, ohne US-Präsident Donald Trump namentlich zu nennen.

Kim ließ zugleich die Möglichkeit eines Dialogs offen: Ob die Gegner „Konfrontation oder friedliche Koexistenz“ wählten, liege bei ihnen. Seit dem Scheitern seines zweiten Gipfeltreffens mit Trump 2019 hat Kim die Gespräche mit Washington und Seoul ausgesetzt.

Die jüngste Verfassungsänderung ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, mit denen Nordkorea seine militärische Abschreckung ausbaut. Bereits im vergangenen Jahr hatte Pjöngjang neue atomare U-Boote und ballistische Raketen getestet. Die Vereinten Nationen und viele westliche Staaten verurteilen diese Schritte als Verstoß gegen UN-Resolutionen. Nordkorea wiederum weist die Sanktionen als unmoralisch zurück und betont sein Recht auf Selbstverteidigung.

Die Änderung der Atomwaffendoktrin könnte auch Auswirkungen auf das Machtgefüge innerhalb Nordkoreas haben. Kim Jong-un umgibt sich mit einer kleinen Gruppe treuer Militärs und Parteifunktionäre. Sollte er handlungsunfähig werden, würde die automatische Auslösung eines Atomschlags das Risiko eines verheerenden Krieges massiv erhöhen. Experten warnen vor einer erhöhten Gefahr von Fehlalarmen oder Eskalationsspiralen, insbesondere angesichts der angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel.

Historisch betrachtet verfolgt Nordkorea seit den 1950er Jahren ein nukleares Programm. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Verlust wichtiger Wirtschaftshilfen konzentrierte sich Pjöngjang auf den Ausbau seiner Streitkräfte. Unter Kim Jong-un, der 2011 die Macht von seinem Vater Kim Jong-il übernahm, beschleunigte sich die Entwicklung von Atomwaffen und ballistischen Raketen. Nordkorea führte mehrere unterirdische Atomtests durch und zog sich 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag zurück.

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit mehreren Sanktionsrunden, die jedoch nur begrenzte Wirkung zeigten. China und Russland, zwei ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, blockierten zuletzt schärfere Maßnahmen. Russland nutzt Nordkorea als ein wichtiges Gegengewicht zu den USA im Pazifik. Nach Beginn des Ukraine-Krieges intensivierte Moskau die Zusammenarbeit mit Pjöngjang, darunter auch Waffenlieferungen für den russischen Militäreinsatz.

Die aktuelle Verfassungsänderung wird von südkoreanischen und US-amerikanischen Geheimdiensten genau beobachtet. Die USA haben ihre Truppenpräsenz in Südkorea verstärkt und führen regelmäßige gemeinsame Manöver durch. Kim Jong-un bezeichnet diese Manöver als Provokation und Vorbereitung auf eine Invasion. Die automatische Atomschlag-Klausel könnte die ohnehin fragile Sicherheitslage weiter destabilisieren.

Die Zukunft bleibt ungewiss: Während Nordkorea sein Atomarsenal weiter modernisiert, hoffen Diplomaten auf eine Rückkehr zu Gesprächen. Bislang allerdings bleibt Kims Regime isoliert und zeigt keine Anzeichen für eine nennenswerte Abrüstung. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, einen Weg zwischen Abschreckung und Deeskalation zu finden, um einen weiteren großen Krieg in Ostasien zu verhindern.


Source: Berliner Zeitung News


Share:

Your experience on this site will be improved by allowing cookies Cookie Policy