Seit 15 Jahren steht Adele Neuhauser als coole Ermittlerin Bibi im Wiener „Tatort“ auf der Seite des Gesetzes. Doch das ändert sich nun: In der schwarzen Komödie „Mama ist die Best(i)e“ des ZDF spielt die 67-jährige Österreicherin eine verurteilte Mörderin. Der Zweiteiler wird am Montag um 20.15 Uhr ausgestrahlt und zeigt Neuhauser in einer völlig neuen Rolle – als Gloria Almeda, eine ehemalige Society-Lady, die nach einem Mordfall an ihrem Ehemann im Gefängnis saß und nun mit einer elektronischen Fußfessel in ihr eigenes Schloss zurückkehrt. Die Serie markiert einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere, die bereits zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt hat.
Gloria Almeda, einst eine steinreiche Gesellschaftsdame, ist fest davon überzeugt, dass sie den Mord an ihrem Ehemann Viktor nicht begangen hat. Viktor war allerdings alles andere als beliebt: Ein Despot, den wirklich jeder hasste – von seinen eigenen Kindern über entfernte Verwandte bis hin zu seinem beruflichen Umfeld. Alle hätten ein Motiv gehabt, und Gloria ist entschlossen, den wahren Täter zu finden, indem sie ihre Familie gnadenlos manipuliert. „Für mich ist Gloria in der Vergangenheit eine Bestie und nach ihrer Entlassung aus der Haft hat sie die Chance, die Beste zu werden“, erklärt Neuhauser in einem Interview. Diese ambivalente Figur ist genau das, was die Schauspielerin nach ihrem freiwilligen Ausstieg aus dem „Tatort“ sucht – sie möchte mehr solcher irren und vielschichtigen Rollen übernehmen.
Neuhauser, die 2025 nach über 40 Fällen die Ermittlerin Bibi Fellner verlassen wird, genießt die Möglichkeit, in neue Charaktere einzutauchen. „Hand aufs Herz: Die Gloria-Charaktereigenschaften sind mir privat fremd. Aber sie regen durchaus meine Fantasie an“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Der Film ist für sie eine willkommene Gelegenheit, ihr schauspielerisches Spektrum zu erweitern. Die Handlung des Zweiteilers ist bewusst an das Kultspiel „Cluedo“ angelehnt: Jeder könnte der Mörder sein, und die Suche nach dem wahren Täter entpuppt sich als spannender als so mancher waschechter Krimi. Neuhauser beschreibt die Geschichte als „einen erschreckenden Mix aus Lüge und Grausamkeit, bei dem Intrigen, Verrat und Geldgier eine toxische Mischung ergeben.“
Neben Neuhauser glänzt eine hochkarätige Besetzung: Unter anderem spielen Edita Malovčić und Lara Mandoki mit, die im Film Glorias Gefängnisfreundinnen Maria und Henny darstellen. Die drei Frauen haben im Gefängnis eine ungewöhnliche Allianz geschmiedet, und ihr Zusammenspiel sorgt für viele humorvolle Momente in der ansonsten düsteren Kulisse. Der Film spielt geschickt mit Klischees des Gefängnisgenres und bricht sie durch die überdrehte, fast schon absurde Komik der Hauptfigur. Neuhauser meistert diese Herausforderung mit Bravour und zeigt, dass sie nicht nur als ernste Ermittlerin, sondern auch als schräge Anti-Heldin überzeugen kann.
Eine Karriere voller Wandlungen
Adele Neuhauser wurde am 17. Januar 1959 in Athen geboren, wuchs in Wien auf und begann ihre Schauspielkarriere in den 1980er Jahren am Theater. Ihr Durchbruch gelang ihr jedoch erst spät: Mit der Rolle der Bibi Fellner im Wiener „Tatort“ wurde sie einem Millionenpublikum bekannt. Die Figur, eine etwas mürrische, aber herzliche Kommissarin, entwickelte sich schnell zum Liebling der Zuschauer. Gemeinsam mit Harald Krassnitzer als Moritz Eisner bildete sie eines der beliebtesten Ermittlerduos im deutschsprachigen Fernsehen. In den letzten 15 Jahren stand sie für über 40 Folgen vor der Kamera, darunter Klassiker wie „Grenzfall“ oder „Sternschnuppe“.
Nun, nachdem sie ihren Abschied angekündigt hat, zeigt sich Neuhauser offen für neue Projekte. „Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt“, sagt sie in einem Interview. „Der ‚Tatort‘ war eine großartige Zeit, aber ich möchte mich nicht wiederholen. Rollen wie die Gloria sind genau das, was ich jetzt brauche: anspruchsvoll, schräg und mit Tiefgang.“ Auch privat hat sich einiges verändert: Neuhauser ist stolze Großmutter zweier Enkelkinder und möchte in Zukunft mehr Zeit mit ihnen verbringen. Diese neue Lebensphase inspiriert sie auch beruflich, wie sie betont.
Die Entstehung von „Mama ist die Best(i)e“
Die Idee zu dem Zweiteiler entstand bereits vor einigen Jahren, als Drehbuchautorin und Regisseurin Katharina Mückstein die erste Skizze vorlegte. Ursprünglich als eigenständiger Kinofilm konzipiert, entschied man sich beim ZDF für eine Mini-Serie in zwei Teilen, um die Handlung breiter entfalten zu können. Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Wien und Umgebung statt, wobei ein echtes Schloss als Kulisse für Glorias Anwesen diente. Die Produktion war aufwendig: Neben den Schauspielern war ein großes Team für die Ausstattung zuständig, insbesondere für die Gefängnisszenen, die im ehemaligen Justizgebäude von Wiener Neustadt gedreht wurden. Neuhauser berichtet von einem intensiven Dreh: „Die Atmosphäre in den echten Gefängniszellen war bedrückend, aber das hat uns geholfen, die richtige Stimmung einzufangen.“
Ein besonderes Highlight des Films ist die Kostümgestaltung: Glorias Kleidung wechselt zwischen schicken Designer-Klamotten in der Vergangenheit und schäbigen Häftlingsklamotten in der Gegenwart. Die Kostümbildnerin Michaela Bury gelang es, die Wandlung der Figur perfekt widerzuspiegeln. Auch die Maske trug dazu bei, Neuhauser in eine verhärmte Ex-Häftlingst zu verwandeln, die trotz allem ihren Glamour nicht ganz verliert.
Die Rezeption und Erwartungen
Bereits vor der Ausstrahlung wird der Zweiteiler in Fachkreisen hoch gelobt. Kritiker heben besonders Neuhausers schauspielerische Leistung hervor, die eine enorme Bandbreite zeige – von eiskalter Manipulation bis zu verletzlicher Unsicherheit. Die schwarze Komödie versteht es, ernste Themen wie Mord, Rache und familiäre Konflikte mit viel Sarkasmus zu verarbeiten, ohne dabei ins Tragische abzugleiten. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt, und die Dialoge sind pointiert geschrieben. „Mama ist die Best(i)e“ hat das Potenzial, einer der erfolgreichsten ZDF-Zweiteiler des Jahres 2025 zu werden.
Fans des Wiener „Tatorts“ müssen sich jedoch noch eine Weile gedulden: Die letzte Folge mit Neuhauser und Krassnitzer wird Ende 2025 ausgestrahlt. Bis dahin kann man sich mit diesem Film die Zeit vertreiben und sich auf eine ganz andere Seite der beliebten Schauspielerin freuen. Und vielleicht ist dies der Beginn einer zweiten Karriere – im Reich der Schurken und schillernden Figuren. Neuhauser selbst ist jedenfalls bereit: „Ich habe noch viele Ideen und möchte mich nicht einschränken lassen. Die Rollen, die noch kommen, werden zeigen, was in mir steckt.“
Source: bild.de News